Ahmadinedschad begrüßt türkisches Atom-Angebot
Mahmud Ahmadinedschad hat erstmals auf einen Vorschlag von IAEA-Chef ElBaradei reagiert: Irans Präsident begrüßte Pläne einer Uran-Auslagerung in die Türkei - und schloss zugleich weitere Zugeständnisse aus. Die türkische Regierung bekräftigte ihr Angebot, das iranische Material zu verwahren.
Istanbul - Die türkische Regierung bemüht sich in Verhandlungen mit Teheran um einen Kompromiss zur Lagerung iranischen Urans im Ausland. Die Türkei sei bereit und technisch in der Lage, niedrig angereichertes Uran aus Iran treuhänderisch zu verwahren, zitierte die türkische Tageszeitung "Hürriyet" am Montag Außenminister Ahmet Davutoglu. Nach einem Vorschlag des Chefs der Atomenergiebehörde IAEA, Mohamed ElBaradei, soll Teheran im Gegenzug fertigen nuklearen Brennstoff für zivile Anwendungen erhalten.
Davutoglu sagte, er führe seit mehreren Tagen Telefongespräche mit ElBaradei, mit dem iranischen Außenminister Manutschehr Mottaki und einem Sicherheitsberater des US-Präsidenten. "Unsere Tür ist offen", sagte Davutoglu. Allerdings gebe es in Iran noch erhebliche Widerstände gegen eine Auslagerung des bisher angereicherten Urans, obwohl Teheran der Türkei grundsätzlich vertraue. Nach türkischen Medienberichten soll es insgesamt um etwa 1200 Kilogramm niedrig angereichertes Uran gehen.
Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad äußerte sich zu dem Kompromissangebot der Türkei am Montag vage. Als befreundetes Land könne die Türkei eine "positive und konstruktive Rolle spielen", zitierten gutinformierte Kreise in Teheran Ahmadinedschad. Der iranische Präsident bekräftigte demnach, dass sein Land im Streit um sein Atomprogramm keine Zugeständnisse machen und nur mit der IAEA verhandeln werde.
Ahmadinedschads Äußerungen waren die erste iranische Reaktion auf den Vorschlag ElBaradeis. Dieser sieht konkret vor, dass Russland aus eigenen Beständen Brennstoff für Iran produzieren und das niedrig angereicherte Uran aus der Türkei erst dann bekommen soll, wenn die Lieferung in Teheran angekommen ist.
Russland: Erstes iranisches Atomkraftwerk erst 2010
Iran hatte sich mit den fünf ständigen Uno-Sicherheitsratsmitgliedern plus Deutschland zunächst darauf geeinigt, den Großteil seines niedrig angereicherten Urans zur weiteren Anreicherung und Verarbeitung nach Russland und Frankreich zu bringen. Doch Teheran hält die Zustimmung zu einem Einigungsentwurf der IAEA zurück und hat Sorge, im Gegenzug für sein exportiertes Uran kein höher angereichertes zurückzubekommen.
Der Golfstaat braucht den Brennstoff dringend für einen zivilen Forschungsreaktor in Teheran. Eine Einigung in dieser Frage könnte die seit Jahren verfahrenen Verhandlungen zwischen der Internationalen Gemeinschaft und Iran über sein Atomprogramm wieder in Gang bringen.
Nach Angaben aus Russland könne das erste iranische Atomkraftwerk in Buschehr frühestens im kommenden Jahr erstmals auf volle Leistung hochgefahren werden. "Aus technischen Gründen" sei die offizielle Inbetriebnahme der mit Unterstützung Moskaus gebauten Anlage nicht mehr 2009 möglich, sagte der russische Energieminister Sergej Schmatko der Agentur Interfax. Das Kraftwerk müsse garantiert betriebssicher sein. Russland hat für das Atomkraftwerk am Persischen Golf schon atomaren Brennstoff geliefert.
Moskau warnt mit anderen Mitgliedern im Uno-Sicherheitsrat Iran vor dem Bau von Atomwaffen. Die internationale Gemeinschaft fürchtet, dass die Führung in Teheran die Urananreicherung zu einer solchen Produktion missbrauchen könnte. Iran bestreitet dies jedoch.
amz/AFP/dpa/Reuters



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