Startseite | Politik | Ahmadinedschad und Gaddafi sorgen für Eklat

Ahmadinedschad und Gaddafi sorgen für Eklat

image Ahmadinedschad und Gaddafi sorgen für Eklat

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat auch seinen Auftritt vor der UN-Vollversammlung für scharfe Angriffe gegen Israel und die Verbreitung antisemitischer Verschwörungstheorien genutzt. Zahlreiche Delegationen, darunter die deutsche und die amerikanische, verließen daraufhin aus Protest den Saal.

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad und der libysche Staatschef Muammar al Gaddafi haben für einen doppelten Eklat in der UN-Vollversammlung gesorgt. Aus Protest gegen antisemitische Äußerungenen Ahmadinedschads verließen zahlreiche Delegationen, darunter auch die deutsche, den Plenarsaal. Gaddafi beschimpfte den UN-Sicherheitsrat als „Terrorrat“, auch bei ihm leerten sich die Reihen der Delegierten.

Anfangs hatte Ahmadinedschad sich offen für einen Dialog gezeigt und erklärt, Teheran sei bereit, jede Hand zu schütteln, die „uns ehrlich ausgestreckt wird“. US-Präsident Barack Obama hat die Metapher der ausgestreckten Hand mehrfach benutzt. Ahmadinedschad kritisierte in seiner Rede jedoch auch mehrfach die US-Politik sowie den Krieg in Afghanistan und die US-Militäreinsätze in Pakistan. Zudem verurteilte er den Kapitalismus in seiner Reinform, der die Entwicklungsländer unterdrücke.

Der iranische Präsident griff Israel scharf an. Israel habe mit der Offensive im Gazastreifen im Winter einen „barbarischen Krieg“ zu verantworten, sagte Ahmadinedschad. Seine Rede war durchsetzt mit antiisraelischen und antisemitischen Angriffen, was zahlreiche Delegierte in dem ohnehin nur spärlich besetzten Saal bewog, als Zeichen des Protests ihre Plätze zu räumen.

Nach der Rede Obamas trat Gaddafi mit seinem braunen Beduinenumhang und einer übergroßen Afrika-Brosche am Revers ans Rednerpult. Als „König der Könige“ kündigte ihn der Präsident der UN-Vollversammlung an, Ali Treki, der auch Libyer ist. Gaddafi legte einen dramatischen Auftritt hin. In einer deutlich zu langen Rede beschimpfte er die Organe der Weltorganisation und zerriss einen Teil der UN-Charta. Den UN-Sicherheitsrat bezeichnete er als einen „Terrorrat“. Es war Gaddafis erste Rede vor dem Gremium.

Anstatt der für ein Staatsoberhaupt üblichen 15 Minuten sprach Gaddafi eine Stunde und 36 Minuten. Damit wirbelte er nicht nur den Zeitplan für die nach ihm folgenden Redner gehörig durcheinander, sondern er schaffte es auch, den Plenarsaal sukzessive zu leeren.

Den fünf Vetomächten USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien warf Gaddafi vor, die kleineren Staaten als Länder zweiter Klasse zu behandeln. Er forderte die Abschaffung des Vetorechts der fünf ständigen Sicherheitsratsmitglieder. Außerdem sprach er sich für eine Aufnahme weiterer Mitgliedstaaten in den Weltsicherheitsrat aus, um das höchste Entscheidungsgremium der UN den veränderten Machtverhältnissen in der Welt anzupassen.

An der Eröffnung der Vollversammlung nahmen über 100 Staats- und Regierungschefs teil, neben Obama auch der russische Präsident Dmitri Medwedew und das französische Staatsoberhaupt Nicolas Sarkozy. Obama hatte in seiner mit Spannung erwarteten ersten Rede vor der UN-Vollversammlung an die internationale Gemeinschaft appelliert, die globalen Probleme gemeinsam zu schultern. Der US-Präsident bekam für seine Rede, die 38 Minuten dauerte und damit ebenfalls über dem Zeitlimit lag, herzlichen Beifall, aber keine stehende Ovationen. Auch Gaddafi applaudierte ihm, Ahmadinedschad jedoch nicht.

Bei Gaddafis Rede war Obama nicht mehr anwesend. Er nahm an einem Mittagessen auf Einladung von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon teil.

welt.de

hinzufügen zu: Add to your del.icio.us del.icio.us | Digg this story Digg

Kommentare (0 eingetragen):

Dein Kommentar eintragen comment
Bitte gib den Code auf der Grafik ein:
  • email An einen Freund versenden
  • print Druckversion
  • Plain text Klartext
Bewerte diesen Artikel
5.00
Powered by Vivvo CMS v4.0