Startseite | Politik | Ahmadinedschad will Frauen ins Kabinett berufen

Ahmadinedschad will Frauen ins Kabinett berufen

image Ahmadinedschad will Frauen ins Kabinett berufen

Gesundheit und Soziales sollen künftig Frauensache in Iran sein - auch auf Regierungsebene. Der erzkonservative Präsident Mahmud Ahmadinedschad kündigte an, drei Ministerposten seines künftigen Kabinetts mit Frauen besetzen zu wollen.

Teheran - Erstmals seit der islamischen Revolution von 1979 sollen in Iran Frauen Ministerposten erhalten. Das kündigte Mahmud Ahmadinedschad am Sonntag im staatlichen Fernsehen an. Zumindest das Gesundheitsministerium und das Sozialressort sollen künftig von Frauen geleitet werden. Ein drittes Ministerium könne ebenfalls an eine Frau gehen, sagte der Staatschef, ohne das Ressort und Anwärterin konkret zu benennen.

Ahmadinedschad nominierte die 50-jährige Ärztin Marzieh Vahid Dastgerdi für den Posten der Gesundheitsministerin. Die 43-jährige Juristin Fatima Ajorlu soll das Sozialressort übernehmen. Irans letzte weibliche Ministerin, Farrochroo Parsay, war von 1968 bis 1977 im Amt. Sie wurde nach der Revolution der Korruption angeklagt und exekutiert.

Präsident Ahmadinedschad muss sein Kabinett bis Mittwoch dem Parlament vorstellen, das von den religiös-konservativen Kräften dominiert wird. Gegen seine Wiederwahl am 12. Juni waren Tausende Iraner auf die Straßen gegangen. Zu Berichten, wonach der Chef-Atomunterhändler Said Dschalili neuer Außenminister und damit Nachfolger von Manutschehr Mottaki werden soll, nahm er am Sonntag nicht Stellung. Dschalili steht wie Ahmadinedschad für eine kompromisslose Haltung in den Verhandlungen über das iranische Atomprogramm.

Prozess gegen Oppositionelle fortgesetzt

Im Zuge der Proteste gegen die Wahlen waren mindestens 4000 Menschen festgenommen worden. Derzeit sitzen noch rund 300 von ihnen im Gefängnis. Am Sonntag wurde vor dem Revolutionsgericht in Teheran der Prozess gegen die verhafteten Oppositionellen fortgesetzt. Nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Fars standen 28 Regierungsgegner, darunter eine Frau, vor Gericht. Ihnen wird die "Teilnahme an illegalen Demonstrationen", "Zerstörung öffentlichen Eigentums" und die "Verletzung von Polizisten" vorgeworfen.

In vorherigen Prozessen mussten sich seit dem 1. August bereits insgesamt 110 Menschen vor dem Teheraner Gericht verantworten, die gegen die umstrittene Wiederwahl von Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad protestiert hatten. Darunter waren führende Reformer, politische Aktivisten, eine junge französische Lektorin sowie zwei Mitarbeiter der französischen und britischen Botschaft.

Ahmadinedschad warf dem Westen erneut vor, die Proteste geschürt zu haben. Der Westen müsse für seine Einmischung in die inneren Angelegenheiten zur Rechenschaft gezogen werden, sagte der Präsident.

abl/dpa/Reuters/AFP
spiegel.de

hinzufügen zu: Add to your del.icio.us del.icio.us | Digg this story Digg

Kommentare (0 eingetragen):

Dein Kommentar eintragen comment
Bitte gib den Code auf der Grafik ein:
  • email An einen Freund versenden
  • print Druckversion
  • Plain text Klartext
Bewerte diesen Artikel
5.00
Powered by Vivvo CMS v4.0