Anschlag tötet Kommandeure der Revolutionsgarden in Iran
Der Attentäter trug den Sprengstoff im Gürtel: Bei einem Selbstmordanschlag in Iran sind nach offiziellen Angaben mindestens fünf ranghohe Kommandeure der Revolutionsgarden getötet worden. Insgesamt sollen Dutzende Menschen ums Leben gekommen sein.
Teheran - Schwerer Sprengstoffanschlag im Iran: Bei einem Attentat in der südostiranischen Provinz Sistan-Balutschistan sind am Sonntagmorgen Dutzende Menschen ums Leben gekommen, darunter ranghohe Kommandeure der Revolutionsgarden. Es sei der schwerste Angriff auf die Revolutionsgarden seit mehreren Jahren, berichtete die Agentur Fars. Zahlreiche weitere Menschen wurden verletzt. Die Kommandeure seien zu einem Treffen in der Region Pischin an der Grenze zu Pakistan gefahren, als der Attentäter einen Sprengstoffgürtel zur Explosion gebracht habe, meldete IRNA.
Zu der Bluttat bekannte sich nach Angaben des staatlichen iranischen Fernsehsenders Press TV die sunnitische Organisation Dschundallah (Brigade Gottes), die schon mehrfach Anschläge gegen die Revolutionsgarden und schiitische Ziele im Südosten des Landes verübt hat.
Laut Fars waren unter den Toten der Vizekommandeur der Landstreitkräfte der Revolutionsgarden, General Nur Ali Schuschtari, und der Kommandeur der Revolutionsgarden in Sistan-Balutschistan, General Mohammed Sadeh. Im staatlichen Fernsehsender Press TV war von 29 Toten und 28 Verletzten die Rede. Eine offizielle Bestätigung der Zahlen gab es zunächst nicht.
Im Mai bekannte sich die Dschundallah zu einem Selbstmordanschlag auf eine schiitische Moschee in Sahedan, der Hauptstadt der Provinz Sistan-Balutschistan, bei dem 25 Menschen in den Tod gerissen wurden. 13 Mitglieder der Dschundallah wurden im Zusammenhang mit dem Anschlag verurteilt und hingerichtet. Im Februar 2007 kamen bei einem Autobombenanschlag nahe Sahedan elf Mitglieder der Revolutionsgarden ums Leben.
Verdacht gegen die USA und Großbritannien
Zunächst hatte eine Mitteilung der Revolutionsgarden den Anschlag am Sonntag in Verbindung mit Verbündeten der USA gebracht. Darin wurde "Elementen mit Bezug zur globalen Arroganz" - gemeint sind die USA und Großbritannien - vorgeworfen, für den Anschlag verantwortlich zu sein, ohne Einzelheiten zu nennen.
Der Parlamentsabgeordnete für die Provinzhauptstadt Zahedan, Payman Forusesch, erklärte, "Feinde der Revolution" wollten Zwietracht zwischen Schiiten, die im Iran in der Mehrheit sind, und Sunniten im Südosten des Landes säen.
Parlamentspräsident Ali Laridschani bestätigte am Sonntag den Tod der Kommandeure und verurteilte den Anschlag. Er solle die Sicherheitslage in der Region untergraben, sagte Laridschani während einer im Rundfunk übertragenen Parlamentssitzung. Bei den Revolutionsgarden handelt es sich um Elitetruppen der Islamischen Republik.
Hintergrund: Irans Revolutionsgarden
Die iranische Verfassung sieht zum Schutz der Islamischen Revolution gegen Feinde von außen und innen schlagkräftige paramilitärische Einheiten vor. Die Revolutionsgarden ("Pasdaran") bilden neben der regulären Armee ("Artesh") die zweite Säule der iranischen Streitkräfte. Ein gemeinsamer Generalstab koordiniert die Einsätze der mehr als 125.000 Revolutionsgardisten und der schätzungsweise 520.000 Mann des offiziellen Militärs.
Die sonst von der Militärführung unabhängigen Paramilitärs unterhalten eigene Heeres- und Marineeinheiten, haben moderne Waffensysteme und sollen außerdem für das gesamte iranische Raketenarsenal verantwortlich sein.
Gegründet wurden die "Pasdaran" im Zuge der Islamischen Revolution 1979, als sich einzelne Kampfverbände zu einer unabhängigen Streitmacht für das Khomeini-Regime formierten. In den achtziger Jahren kämpften die "Revolutionswächter" auch im Krieg gegen den Irak und im Libanon. In den vergangenen Jahren wurden sie primär im Kampf gegen Gegner im Inneren eingesetzt. Als zuverlässige Gefolgschaft des Mullah-Regimes gewannen sie zunehmend politischen Einfluss. Unter Präsident Mahmud Ahmadinedschad wurden ehemalige "Pasdaran"- Kommandeure zu Ministern oder Provinzgouverneuren.
Die Führung in Teheran kann zudem bis zu eine Million Kämpfer einer den "Pasdaran" unterstellten Volksmiliz mobilisieren. Die "Basidsch" (Freiwillige) genannten Hilfstruppen stehen nicht nur im Kriegsfall zur Verfügung, sondern auch, falls das Mullah-Regime durch Gegner im Inneren in Bedrängnis geraten sollte. In Betrieben, Schulen und bei Straßenkontrollen prüfen sie, ob die strengen Regeln der Islamischen Republik befolgt werden, zum Beispiel ob Frauen die Bekleidungsvorschriften einhalten.
Wiederholt gingen die mit Knüppeln und Messern bewaffneten Schlägertrupps gegen oppositionelle Studenten vor. Während des Karikaturen-Streits im Jahr 2006 griffen "Basidsch"- Gruppen mit Steinen und Brandsätzen auch die deutsche Botschaft und andere diplomatische Vertretungen in Teheran an.
itz/sto/Reuters/AP/AFP/dpa
spiegel.de



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