Beerdigung Montazeris wird zur Kundgebung
Bei der Trauerfeier für Grossayatollah Hossein-Ali Montazeri mit zehntausenden Teilnehmern ist es im Iran erneut zu Zusammenstössen zwischen Oppositionellen und Sicherheitskräften gekommen. Dies berichteten Augenzeugen und Oppositions-Websites aus der Stadt Qom.
(sda/dpa/afp/Reuters) In der für Schiiten heiligen Stadt Qom wurde der im Alter von 87 Jahren verstorbene regimekritische Montazeri am Montag beigesetzt. Zehntausende Trauergäste und zahlreiche Reformer nahmen an der Zeremonie 130 Kilometer südlich von Teheran teil, wie es hiess. Beobachter sprachen von einer politischen Kundgebung gegen den umstrittenen iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinejad.
Die Website «Rahesabs» berichtete von Zusammenstössen zwischen Montazeri-Anhängern und Mitgliedern der regierungsnahen Miliz Anzar Hizbullah. Die Milizionäre hätten versucht, Unruhe in den Trauerzug zu bringen und mit Megafonen die Sprechchöre zu stören.
Dies habe einige «Konfrontationen» ausgelöst, hiess es auf der Website ohne nähere Angaben. Die Oppositionsführer Mir-Hossein Moussavi und Mehdi Karubi hatten zur Teilnahme an dem Trauerzug aufgerufen. Augenzeugen in Qom berichteten, Sicherheitskräfte seien wegen erwarteter Proteste in Alarmbereitschaft versetzt worden. Als Slogans wie «Tod dem Diktator» erschallten, seien Polizisten massiv gegen Demonstranten vorgegangen.
Montazeri galt als einer der einflussreichsten Geistlichen im Iran und war ein scharfer Kritiker Ahmadinejads. Nach der umstrittenen Wiederwahl des Präsidenten im Juni hatte Montazeri der Führung vorgeworfen, wie Diktatoren zu herrschen.
Auch in Montazeris Heimatstadt Najafabad im Zentral-Iran versammelten sich zahlreiche Menschen im Gedenken an den Grossayatollah. Grössere Zwischenfälle wurden nicht gemeldet. Ob es in Qom auch Festnahmen gab, konnte zunächst nicht geklärt werden.
Auch Moussavi und Karubi dabei
Laut Augenzeugen nahmen an der Trauerfeier auch die Oppositionspolitiker Moussavi und Karubi teil. Ob auch die ehemaligen Präsidenten Akbar Hashemi Rafsanjani und Mohammed Khatami unter den Trauergästen waren, blieb unklar.
Ausländischen Medien hatte die iranische Regierung verboten, über das Ereignis zu berichten. Die staatlich kontrollierten Medien im Iran meldeten meist nur kurz, dass Montazeri «im Kreise seiner Anhänger» beigesetzt worden sei. Die Internetseite des iranische Staatsfernsehen räumte immerhin ein, dass «einige» Teilnehmer der Trauerfeier versucht hätten, mit «extremistischen und kontroversen Parolen» Spannungen zu schüren.
Kommunikationskanäle behindert
Die Internetverbindungen im Land waren seit Sonntagabend schwer gestört. Die britische BBC teilte mit, dass das Signal ihres Fernsehprogramms in persischer Sprache seit dem Tod Montazeris immer wieder blockiert worden sei.
Am Montag wurde eine weitere reformorientierte Zeitung in Teheran verboten. Das Blatt «Andijehe No» (Neue Gedanken) habe gegen die Bestimmungen des Pressegesetzes verstossen, hiess es zur Begründung, wie die Nachrichtenagentur ISNA berichtete.
Zugleich warnte das Kulturministerium die Nachrichtenagentur ILNA, die der Opposition nahesteht, über Oppositionsgruppen im allgemeinen und die «Grüne Bewegung» Moussavis im besonderen zu berichten. Moussavi wirft Präsident Ahmadinejad Wahlbetrug vor und erkennt bis heute dessen Wiederwahl nicht an.
Grossayatollah Montazeri
Der verstorbene Grossayatollah Hossein-Ali Montazeri war ursprünglich einer der engsten Vertrauten von Ayatollah Khomeinyi. Nach dem Sturz von Schah Reza Pahlevi und der Revolution im Jahr 1979 wurde er zu Khomeinyis Stellvertreter und war als dessen Nachfolger vorgesehen. Im Zusammenhang mit der Iran-Contra-Affäre legte er sich jedoch mit der Macht-Elite, insbesondere mit Ayatollah Ali Akbar Hashemi Rafsanjani, dem späteren Präsidenten, an.
Nachdem er unter anderem Khomeinys Fatwa gegen den Schriftsteller Salman Rushdie öffentlich kritisiert hatte, fiel Montazeri in Ungnade und wurde zunehmend isoliert. Schliesslich erklärte Khomeinyi, Montazeri sei zurückgetreten. An seiner Stelle wurde Khamenei nach Khomeinyis Tod zum obersten Führer Irans bestimmt. Montazeri war daher von Beginn weg ein grosser Kritiker von Khamenei und des Regimes von Ahmadinejad Er war deswegen lange Zeit unter Hausarrest. Er kritisierte nach den Präsidentschaftswahlen 2009 das Vorgehen gegen die Reformbewegung und die Einschränkung der Meinungsfreiheit.



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